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Beta Dumančić … über Offenheit und Fokus

Der Anlass – Marie Schölzels Verletzung – war traurig, die Freude über die Rückkehr von Mittelblockerin Beta Dumančić zum SSC für die laufende Saison aber ehrlich und groß – bei Verein, Fans und der kroatischen Nationalspielerin gleichermaßen. Im langen Themeninterview reflektiert sie über Offenheit, Fokus und das gute Gefühl, zu wissen, was man will.
Beta, Deine zweite Saison in Schwerin neigt sich schon dem Ende zu – wie geht’s Dir damit, läuft es für Dich nach Wunsch?
Mir geht’s sehr gut, ich bin wirklich richtig glücklich hier. Ich habe mich auch letzte Saison schon wohlgefühlt in Schwerin, aber dieses Jahr ist es noch mal ein ganz anderes Level, es passt einfach alles zusammen, als hätten wir die perfekte Mischung gefunden mit allen, die neu ins Team und in den Staff gekommen sind. Man sieht das auch, wenn wir spielen und an unseren Erfolgen. Wir haben eine großartige Energie zusammen.

©Eckhard Mai/Beta Dumančić wurde am 26. März 1991 im kroatischen Osijek geboren. Zunächst spielte die heute 28-Jährige in ihrer Heimatstadt, dann 2012 bis 2015 College-Volleyball bei den Clemson Tigers an der Clemson Universität in South Carolina (USA), wo sie ein Stipendium für ein Betriebswirtschaftsstudium hatte. Nach dem Uniabschluss wechselte sie zu SK UP Olomouc in Tschechien, 2016 nach Polen, 2017 zum SSC.

Die Anfrage vom SSC, nach Schwerin zurückzukehren, kam erst Ende September. Warst Du da schon nervös, dass Du kurz vor Saisonbeginn noch keinen neuen Vertrag hattest?
Nein, das war ok für mich, es gab noch andere Dinge in meinem Leben. Ich hatte auch Angebote von anderen Vereinen, die sich aber nicht richtig für mich anfühlten, also habe ich sie nicht angenommen. Ich habe einfach geschaut, welche Möglichkeiten sich noch ergeben würden. Ich vertraue darauf, dass sich alles findet, dass die Dinge kommen, wie sie sollen. Und ich will diese Saison nirgendwo anders sein als beim SSC.

Gehst Du generell eher offen durchs Leben?
Ich habe schon meine Ziele und bin fokussiert, wenn es darauf ankommt, wenn es wichtig ist. Aber ja, ich schaue auch, welche Chancen sich bieten. Wenn man zu eingeengt ist, verpasst man vielleicht Möglichkeiten, die das Leben einem bietet. Man weiß ja nie, wen man trifft, vielleicht ändert jemand deine Perspektive, bringt etwas Neues in dein Leben, was man nicht bemerkt hätte, wenn man ganz straight nur auf das schaut, was man für sich im Kopf hat. Man muss nicht alles annehmen, was sich einem bietet, aber schon schauen, was es noch gibt außer dem, was man sich selbst konkret vorstellt.

 

©Eckhard Mai/

Wie ist das im Spiel selbst? Wieviel Fokus auf das, was passiert braucht es da, und wie offen musst Du vielleicht auch für das sein, was passiert?
Im Spiel bin ich ganz bei mir und meinem Team. Also nicht total auf mich allein fokussiert, weil dann bekomme ich nicht mit, was vor sich geht, sondern mit Blick darauf, was jetzt gerade in diesem Moment um mich herum geschieht und getan werden muss. Das funktioniert auch nicht jeden Tag gleich gut, wir sind keine Roboter. Aber wenn ich achtsam bin, kann ich mich immer wieder zurückholen und entscheiden, auf was ich mich konzentriere. Dann werde ich ruhig und kann kontrollieren, was passiert. Vom Publikum bekomme ich da gar nichts mit.

Wie schaffst Du das? Bist Du von Natur jemand, der sich gut fokussieren kann?
Ich arbeite viel daran, auch mit Achtsamkeitstraining, Atemübungen, meditativen Übungen, um den Kopf frei zu bekommen und mich fokussieren zu können. Auch die Rituale vor einem Spiel helfen, in die richtige Denke zu kommen, weil das Gehirn sich erinnert, ah ja, heut ist Gameday. Bewusstes Atmen hilft mir am meisten, wenn ich auf dem Feld in Stress komme. Auch die Pausen, wenn ich mit der Libera tausche oder ausgewechselt werde, helfen mir, weil ich da durchatmen und den Trainer und die anderen Mädchen nach ihrer Perspektive aufs Spiel fragen kann. Dann sehe ich wieder klarer und kann neu ansetzen, wenn ich zurück ins Spiel gehe.

©Eckhard Mai/

Woher weißt Du in der Hitze des Spiels eigentlich immer, welcher Zug als nächstes kommt?
Grundsätzlich muss ich einfach immer bereit sein und signalisieren, wo ich hingehe, je nachdem, was wir vor dem Spiel besprochen haben. Dadurch, dass wir so viel zusammen arbeiten, lernt man sich gut kennen und weiß, wie die anderen denken. Oft hat man wirklich einfach das Gefühl, dass die anderen genau das gleiche im Kopf haben. Daran müssen wir aber jeden Tag arbeiten. Es hilft sehr, dass wir uns sehr mögen und deshalb offen miteinander reden und uns sagen können, was nicht passt und das auch voneinander annehmen.

Kannst Du dafür immer offen sein?
Letzte Saison war ich anfangs sauer auf Felix (Koslowski, Cheftrainer, Anm. der Red.), weil ich nicht gleich spielen durfte, und weil ich deshalb nicht glücklich war, war ich auch mit vielem, was er gesagt hat, nicht einverstanden, ich wollte nicht, dass er Recht hat. Es hat eine Weile gedauert, dass ich offen genug dafür sein konnte, dass er nur mein Bestes im Sinn hat und alles darauf einzahlt, mich besser zu machen, damit ich wirklich bereit bin, wenn ich spiele. Auch wenn ich es nicht immer verstehe oder jetzt gerade keine Lust auf etwas habe, versuche ich es zu akzeptieren, weil ich weiß, dass ich von dem, was die Trainer machen, profitiere.

Hat das mehr mit Offenheit oder mit Vertrauen zu tun?
Mit Offenheit, denke ich, man muss offen sein für die Kommunikation, dafür, sich auch Dinge anzuhören, die man nicht hören mag, und es zu akzeptieren, wie es ist. Sonst wird es mich nicht weiterbringen. Jede Spielerin, jeder Coach, mit denen man arbeitet, hat etwas zu geben und prägt dich mit, macht dich zu dem Menschen, der du bist.

Wie ist das in anderen Bereichen des Lebens – wie offen bist Du da? Probierst Du zum Beispiel gern neue Sachen aus, Essen, Reisen…?
Essen mittlerweile ja. Beim Reisen bin ich ambivalent. Ich kann spontan sein, aber mit dem Rucksack einfach irgendwohin loszuziehen und zu schauen, was passiert, ist nicht mein Ding. Ich brauch eine gewisse Ordnung, sonst bin ich zu sehr gestresst und kann nichts genießen. Generell werde ich offener dafür, Dinge auszuprobieren, je älter ich werde. Gleichzeitig bin ich aber sicherer darin, was ich mag und was nicht und zwinge ich mich nicht mehr dazu, etwas zu tun, das mir keinen Spaß macht, nur um zu beweisen, dass ich offen sein kann. Danach lasse ich mich auch nicht beurteilen. Ich mache nur, was mir Spaß macht.

Das klingt, als hättest Du ein gutes Rezept fürs Leben gefunden.
Ja, ich denke, die richtige Balance ist, sich darauf zu konzentrieren, wer du bist, offen dafür zu sein, was andere dir zu sagen und zu geben haben, und dann dem zu folgen, was zu dir passt.

Text: Kathrin Wittwer

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